Iuxta formam moderni saeculi

Lemberg, St. Georgs-Kathedrale von Süden. Historische Aufnahme Die Union von Brest, in der die orthodoxe Metropolie von Kiew und ein Teil ihrer Bischöfe 1596 mit dem Papst von Rom in Kommuniongemeinschaft getreten waren, bildete eine Notmaßnahme zur Abwehr innerer und äußerer Gefahren in Gestalt von Reformation und Gegenreformation, polnischem Assimilierungsdruck und russischem Expansionsstreben. Dennoch brauchte es bis zur vollständigen Verwirklichung zumindest in der westlichen Ukraine ein volles Jahrhundert: die westlichen (galizischen) Eparchien blieben der Union zunächst fern und traten ihr erst um das Jahr 1700 bei. Die durch 100 Jahre getrennt verlaufene Entwicklung sollte auf der Synode von Zamo?? 1720 wieder zusammengeführt werden; es folgte daraus vor allem eine Festschreibung der Latinismen, die in diesen 100 Jahren in der Liturgie üblich geworden waren, und der Vorrangstellung des Basilianerordens, die in der Folge zu schwerwiegenden Konflikten mit dem Episkopat führen sollte. “Iuxta formam moderni saeculi” weiterlesen

Iuxta formam moderni saeculi – Einleitung

Problemstellung

Am 3. November 1758 protokollierte der Schreiber der Stadt Lemberg (poln. Lwów, ukr. L’viv) die Einreichung einer Klage durch den angesehenen Architekten Bernard Meretyn. Sie richtete sich gegen einen »kapitan Ryko« und beschuldigte ihn der üblen Nachrede: dieser habe gegenüber dem Bischof den Baustil der von Meretyn geplanten St.- Georgs-Kathedrale und vor allem deren Baukosten scharf kritisiert. Bei »kapitan Ryko« handelt es sich um den französischen, seit 1752 in Polen tätigen Architekten Pierre Ricaud de Tirregaille (um 1725 – nach 1772), der sich 1757 bis 1760 in der galizischen Stadt Lemberg aufhielt, wo er für den Grafen Potocki und andere polnische Adlige mehrere Aufträge, vor allem Landsitze, ausführte (hier und im Folgenden nach MA?KOWSKI 1948, Architekt…, passim). “Iuxta formam moderni saeculi – Einleitung” weiterlesen